Manchmal tut es weh

Manchmal tut es weh


Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll...
Lukas hat uns überrascht. Wir waren etwas mehr als ein Jahr zusammen, als ich morgens bei meiner besten Freundin zuhause einen positiven Schwangerschaftstest in der Hand hielt.
Der nächste Schritt war zum Arzt. Ja, sie sind schwanger.
Ich freute mich, hatte aber auch Bedenken. Unnötigerweise.
Thorsten war richtig stolz Papa zu werden. Das war im Dezember.
Die ersten Untersuchungen waren ohne besondere Vorkommnisse.

Am 3. Februar hatte ich einen Routine-Vorsorgetermin.
Beim Ultraschall war kein Herzschlag mehr zu sehen. Ab diesem Moment lief alles wie im Film. Thorsten wurde angerufen und kam in die Praxis. Wir wurden gebeten ins Krankenhaus zu fahren. In der gynäkologischen Ambulanz war es ziemlich voll. Wir durften direkt in den Kreißsaal zum Gespräch.
Dort wurde uns nochmals bestätigt was wir schon wussten... das Herz unseres Krümels schlug nicht mehr.

Montag würde ich die Tabletten bekommen. Wenn daraufhin bis Mittwoch nichts passieren würde, würde die Geburt eingeleitet werden.
Jetzt standen wir mit dieser Information da. Wie sollte ich es meinen Eltern, meinen 2 größeren Kindern beibringen?
Alle waren sehr betroffen. Ich habe geweint, bis ich keine Tränen mehr hatte.
Ganz bewusst habe ich die Tage so normal wie möglich verbracht. Geplante Unternehmungen nicht aufgeschoben. Alles was ging, um mich nicht mit dem Unausweichlichen beschäftigen zu müssen. Ich bin immer noch unheimlich dankbar für die vielen Menschen, die mir Kraft gegeben haben und für mich da waren als ich sie am meisten brauchte.

Dann kam der Montag. Sehr nette Schwestern kümmerten sich um mich. Gaben mir Informationen. Danach war für mich klar, dass unser Kind ein eigenes Grab bekommen sollte. So verging auch der Montag.
In der Nacht zum Dienstag stieß ich im Internet auf Dein-Sternenkind. Dankbar nahm ich das Angebot an.
In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch bekam ich starke Blutungen. Thorsten rief den Krankenwagen. Ich schrieb meine beste Freundin an, meine Mama, Thorstens Mama, die Frau des Pfarrers unserer Gemeinde...
Während ich auf dem Weg ins Krankenhaus war, setzte sich meine beste Freundin ins Taxi und fuhr zu mir nach Hause, schickte Thorsten mit dem Taxi zu mir und kümmerte sich um meine Mädels.

So war Thorsten bei mir als unser Krümel zur Welt kam. Ein ganz besonderes Sternchen. Er wurde in der Fruchtblase geboren. Bis dahin war meine größte Angst, dass man vielleicht gar nichts von einem Baby erkennen könnte. Schließlich war ich in der 17. Woche und laut meiner Frauenärztin sei er seit der 13. Woche nicht mehr gewachsen.
Kurze Zeit danach ging es mir sehr schlecht. Ich hatte wohl ziemlich viel Blut verloren, kam direkt in den OP.
Das schrieb ich noch an alle. Als ich wieder aus dem OP kam, war sowohl Beate von Dein-Sternenkind als auch die Frau von unserem Gemeindepfarrer schon da.

Beate war so voll Mitgefühl so liebevoll im Umgang mit dieser zerbrechlichen Hülle in der unser Krümel sich noch immer befand.
Erst nachdem davon Fotos gemacht wurden öffnete die Schwester die Fruchtblase. Da war es also... unser Baby. Mit einer Mischung aus Angst und Neugier beobachtete ich die Handgriffe. Unser Baby ist ein Junge. Also Lukas. Wir hatten uns vorher schon auf Namen geeinigt.
Ich spürte eine so tiefe Verbundenheit zu diesem kleinen Wesen, das dort in meiner Hand lag und einfach nicht leben durfte.
Nachdem die Fotos gemacht waren fuhr auch Thorsten nach Hause. Schließlich kamen die Mädchen bald von der Schule.
Am Nachmittag kamen auch sie ins Krankenhaus. Wie ich es vermutet hatte, wollte Hannah, die Jüngere, Lukas genau betrachten. Alica war etwas zurückhaltender.
In der Nacht setzte ich mich mit einem Bestatter in Verbindung. Ich wollte alles in die Wege leiten.
Ich hatte bereits die Zusage meines Pfarrers, dass er Lukas beerdigen würde...
Das alles ist jetzt fast 2Jahre her. Es kommt mir vor als wäre es gestern.
Manchmal tut es weh.




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