Lillis Fotograf berichtet

Lillis Fotograf berichtet

Es war April 2018, ein gemütlicher Fernsehabend...

...Schluck Wein, schöner Film, alles in allem ein normaler Abend.

Alles war normal … bis zu dem Moment als die Alarm App spät abends wieder läutet.

Schnell verfliegt die Ruhe und gelassene Stimmung.

Kurzer Blick aufs Handy: „KH Glauchau IUFT 40.SSW Einleitung läuft“...

...IUFT … 4 Buchstaben die einen auch als Sternenkindfotograf immer wieder das Blut in den Adern gefrieren lässt.

IntraUteriner FruchtTod

Ich wusste sofort, dass ich der Fotograf bin, der am nähesten am Klinikum Glauchau wohnt.

Die Hebamme die als Kontaktperson aufgeführt war kannte ich schon von vorhergehenden Einsätzen... irgendwie schön wenn man bekannte Stimmen am Telefon hört....aber auch schrecklich zugleich wenn es immer um ähnliche Schicksalsschläge geht.

Die Hebamme sagte mir, dass die Geburt auf alle Fälle noch im Laufe der Nacht stattfindet.

Gut...dann Auto schon mal vor's Haus stellen, Kamerarucksack fertig machen und frische Anziehsachen zurechtlegen. Alles vorbereitet, damit es im Falle des Anrufes schnell geht..

Dann schnell ins Bett.. am nächsten morgen muss ich schließlich trotz nächtlichen Einsatzes pünktlich 7 Uhr auf Arbeit sein.

Schlafen ist dann aber nicht wirklich möglich... man überlegt ständig nur wie alles ablaufen wird.

In welcher Verfassung werden die Eltern sein?

Wird das Kind evtl. Fehlbildungen haben?

Und natürlich auch:

Werde ich es schaffen wunderschöne Erinnerungen für die Eltern entstehen zu lassen?

Die Gedanken kreisten so lange bis ich irgendwann eingeschlafen bin...

Dann wurde ich durch das vibrieren meines Handys geweckt...die liebe Hebamme war dran.

Es wurde ernst... das Kind war geboren und die Eltern waren bereit dazu mich zu empfangen.

Schnell anziehen, meiner Frau Bescheid geben und ab ins Auto.

Im Krankenhaus angekommen wurde ich schon an der Kreißsaal Tür von der netten Hebamme erwartet.

In diesem Moment schlägt einen als Sternenkindfotograf das Herz immer wieder bis zum Hals...der erste Kontakt mit den Eltern ist ein Moment, den man nie vergessen wird...egal wie viele Einsätze man schon hinter sich hat.

Angekommen im Patientenzimmer ist dies immer wieder eine surreale Situation.. ein doch so schöner als auch sehr trauriger Moment zugleich... eine Mutter hält ihr frisch geborenes Kind im Arm...alles wirkt so friedlich und schön aber alles täuscht...

Es sind Momente im Leben, die man als Eltern nie erleben möchte...egal wie alt das Kind ist.

Die jungen Eltern haben mich freundlich begrüßt...ich habe kurz erklärt was ich vorhabe und dann direkt angefangen die ersten Bilder zu machen.

Ab diesem Moment bin ich innerlich immer plötzlich sehr ruhig... ich weis nicht warum... aber ab diesem Moment „funktioniere“ ich nur noch... vllt. verstecke ich mich auch imaginär hinter meiner Kamera und sehe alles nur noch durch einen Film?!? Vielleicht ist es auch eine Art kompensatorische Verdrängung?!?

Nach einigen Aufnahmen von Gesicht und Händen war es dann an der Zeit auch die Hände der Eltern mit einzubinden. Erst war die Reaktion beider darauf eher verhalten aber ich weis aus Kontakten mit den Eltern nach dem Einsatz, dass sie mir sehr dankbar dafür sind :)

Danach haben wir dann noch ein paar Familienaufnahmen gemacht...

Es hat gar nicht lange gedauert und es waren genügend Aufnahmen gemacht... ich verabschiedete mich kurz von allen und ging zum Auto.

In diesem Moment holt einen dann die gesamte Situation ein... so wunderschön war sie, die kleine Prinzessin, es sah aus als würde sie nur friedlich schlummern...

Auf dem Heimweg lief dann das Lied vom „Robin Schulz – Unforgettable“

Eine Textzeile darin bleibt mir bis heute in Erinnerung:

Every step I take
Everywhere I go
I see your face, unforgettable

So passend und doch so traurig...

Zu Hause angekommen parkte ich mein Auto vorm Haus, stieg aus und musste eine kleine Weile in den sternenklaren Nachthimmel schauen...

„Mach's gut kleine Lilli, pass gut auf deine Eltern auf von da oben“


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